Core Web Vitals verstehen

Drei Werte, die messen was ein Besucher tatsächlich erlebt. Und wie viel sie fürs Ranking wirklich bringen.

Seit dem Sommer 2021 gehören die Core Web Vitals offiziell zu den Signalen, mit denen Google Seiten bewertet. Seitdem tauchen die drei Abkürzungen LCP, FID und CLS in jedem Bericht auf, und die wenigsten Seitenbetreiber wissen, was sie eigentlich messen. Dabei sind sie ungewöhnlich nah an dem, was ein Besucher tatsächlich erlebt. Hier stehen sie einmal in Ruhe erklärt.

LCP: wann sieht der Besucher das Wesentliche

Largest Contentful Paint misst, wie lange es dauert, bis das größte Element im sichtbaren Bereich fertig geladen ist. Meistens ist das ein großes Bild oder die Überschrift. Der Wert sagt also: Ab wann hat der Besucher den Eindruck, die Seite sei da. Als gut gilt eine Zeit unter zweieinhalb Sekunden.

Die üblichen Bremsen sind unkomprimierte Bilder in voller Kameraauflösung, Schriften, die das Rendern blockieren, und ein Server, der bei jeder Anfrage erst eine Datenbank befragt. Die größten Sprünge erreicht man fast immer mit Bildern: passende Größe, modernes Format, und das wichtigste Bild bevorzugt laden statt es hinten anzustellen.

FID: reagiert die Seite, wenn man draufklickt

First Input Delay misst die Verzögerung zwischen der ersten Interaktion eines Besuchers und dem Moment, in dem der Browser darauf reagieren kann. Wer ein Menü antippt und eine halbe Sekunde nichts passiert, tippt ein zweites Mal. Das Problem entsteht, wenn der Hauptprozess des Browsers gerade mit Skripten beschäftigt ist und keine Zeit für Eingaben hat.

Die Ursache sind fast immer zu viele oder zu große Skripte, die alle gleichzeitig starten wollen. Werbe- und Analysewerkzeuge sind hier die üblichen Verdächtigen, gefolgt von Erweiterungen, die man einmal für eine Kleinigkeit installiert hat und die seitdem auf jeder Seite mitladen.

CLS: springt das Layout herum

Cumulative Layout Shift misst, wie stark sich Elemente während des Ladens noch verschieben. Jeder kennt den Effekt: Man will einen Link antippen, in dem Moment lädt darüber ein Bild nach, alles rutscht nach unten, und man erwischt den falschen Button. Das ist der ärgerlichste der drei Werte, weil er direkt zu Fehlbedienungen führt.

Die Lösung ist unspektakulär. Bilder und eingebettete Inhalte bekommen feste Maßangaben, damit der Browser den Platz reserviert, bevor die Datei da ist. Schriften werden so eingebunden, dass der Wechsel von Ersatzschrift zu Hausschrift keine Zeilenumbrüche verschiebt. Und Hinweisbanner werden nicht nachträglich über dem Inhalt eingeblendet, sondern über der Seite gelegt.

Feldwerte und Labortests sind zwei verschiedene Dinge

Ein häufiges Missverständnis: Der Wert aus einem Testwerkzeug ist nicht der Wert, den Google verwendet. Solche Tests simulieren einen Abruf unter definierten Bedingungen. Für die Bewertung zählen dagegen Messwerte von echten Besuchern, gesammelt über achtundzwanzig Tage. Wenn deine Kunden überwiegend mit älteren Geräten und schwachem Mobilfunk unterwegs sind, sieht die Realität anders aus als der Test auf dem Bürorechner.

Praktisch heißt das: Der Test hilft beim Finden von Ursachen, die Feldwerte in der Search Console zeigen den Ist-Zustand. Änderungen brauchen entsprechend Wochen, bis sie sich in den offiziellen Werten niederschlagen. Wer nach drei Tagen keinen Unterschied sieht, hat nicht falsch gearbeitet, sondern zu früh geschaut.

Was der Hoster damit zu tun hat

Ein Punkt, der bei Ladezeitgesprächen oft untergeht: Ein erheblicher Teil der Wartezeit entsteht, bevor überhaupt etwas übertragen wird. Der Server nimmt die Anfrage entgegen, baut die Seite zusammen, fragt dabei eine Datenbank und schickt erst dann das erste Byte zurück. Bei günstigen Angeboten mit vielen Kunden auf einer Maschine dauert allein das gerne mehrere hundert Millisekunden.

Diese Zeit geht komplett zu Lasten des LCP-Werts und lässt sich mit Bildoptimierung nicht ausgleichen. Wer alles am Frontend versucht und trotzdem nicht unter zweieinhalb Sekunden kommt, sollte einmal die reine Serverantwortzeit messen. Manchmal ist ein besserer Tarif die günstigste Optimierung überhaupt, gemessen an Aufwand und Wirkung.

Wo man anfängt, wenn alles rot ist

Bei gewachsenen Seiten sind oft alle drei Werte im roten Bereich, und dann weiß niemand, wo er anfangen soll. Unsere Reihenfolge: zuerst CLS, weil die Ursachen meist trivial sind und die Wirkung sofort sichtbar ist. Feste Maße für Bilder einzutragen dauert einen Nachmittag und behebt in der Regel den größten Teil.

Danach LCP, weil dort die Bilder liegen und Bilderarbeit gut planbar ist. Zum Schluss die Reaktionsfähigkeit, weil man dafür meist an Skripten arbeiten muss und das die aufwendigste Baustelle ist. Wer in dieser Reihenfolge vorgeht, sieht früh Fortschritte und verliert nicht die Geduld.

Wie viel bringt das für die Rankings

Ehrlich gesagt weniger, als der Aufwand vermuten lässt. Die Core Web Vitals sind ein Signal unter vielen und schlagen vor allem dann durch, wenn zwei Seiten inhaltlich ähnlich gut sind. Eine schnelle Seite mit dünnem Inhalt überholt keine langsame Seite mit einer wirklich guten Antwort.

Der eigentliche Gewinn liegt woanders: Besucher, die nicht abspringen. Bei jeder Sekunde Ladezeit verlierst du einen Teil derer, die gerade in der Bahn sitzen und drei Anbieter gleichzeitig offen haben. Diese Leute tauchen in keiner Statistik als Verlust auf, weil sie nie da waren. Deshalb lohnt sich Ladezeitarbeit auch dann, wenn die Bewertung im Bericht danach nur ein bisschen grüner ist.

Mehr dazu, wie wir das in Projekten umsetzen, steht bei technische Umsetzung von Weblösungen.

Oliver Misch, Geschäftsführer der medienplus GmbH

Oliver Misch

Geschäftsführer der medienplus GmbH

Arbeitet seit über 15 Jahren an Websites, Technik und Sichtbarkeit und schreibt hier über das, was ihm im Alltag mit Kunden begegnet. Bei digital unit in Köln ist er der erste Kontakt für neue Projekte.

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