Was llms.txt wirklich bringt

Zwei Stunden Aufwand, kein offizieller Standard. Warum wir die Datei trotzdem anlegen und nie extra berechnen.

Seit einiger Zeit taucht in Fachbeiträgen eine Datei auf, die angeblich Pflicht wird: llms.txt. Die Idee stammt aus dem Jahr 2024 und ist schnell erklärt. Eine schlichte Textdatei im Wurzelverzeichnis der Website, in der in kompakter Form steht, worum es auf dieser Seite geht, welche Unterseiten wichtig sind und wo man was findet. Gedacht für Sprachmodelle, die eine Website nicht komplett lesen wollen oder können.

Die naheliegende Frage lautet: Bringt das etwas, oder ist es eine Beschäftigungsmaßnahme für Agenturen, die gerade nichts Besseres anzubieten haben. Ist das eine sinnvolle Maßnahme oder reine Symbolpolitik. Die ehrliche Antwort liegt dazwischen.

Was drinsteht

Das Format ist bewusst simpel gehalten und orientiert sich an Markdown. Ganz oben der Name des Anbieters, darunter ein zusammenfassender Absatz, dann thematisch gruppierte Listen mit Links und je einem kurzen Satz, was dort zu finden ist. Kontaktdaten, Standort, Ansprechpartner. Nicht mehr.

Der Unterschied zur robots.txt ist wichtig: Die regelt, was abgerufen werden darf. Die llms.txt beschreibt Inhalte. Sie ersetzt weder eine Sitemap noch strukturierte Daten, sondern liegt als knappe Zusammenfassung daneben.

Was dagegen spricht

Es ist kein offizieller Standard. Kein großer Anbieter hat verbindlich zugesagt, die Datei auszuwerten, und Google hat sich mehrfach zurückhaltend geäußert. Wer behauptet, ohne llms.txt sei man in KI-Systemen unsichtbar, verkauft dir etwas.

Dazu kommt eine praktische Schwäche: Die Datei ist eine Selbstauskunft. Ein System, das aus mehreren Quellen zusammenfasst, gewichtet Übereinstimmung zwischen unabhängigen Quellen. Was du über dich selbst schreibst, ist dabei das schwächste Signal, egal in welchem Dateiformat.

Was dafür spricht

Der Aufwand ist minimal. Eine ordentliche llms.txt für eine mittelgroße Unternehmensseite ist in einer bis zwei Stunden geschrieben. Sie kostet nichts im Betrieb, sie kann nichts kaputt machen, und sie schadet auch dann nicht, wenn niemand sie liest.

Einige Werkzeuge und kleinere Anbieter werten sie inzwischen aus, und in Entwicklerwerkzeugen ist sie verbreiteter als im Marketing. Sollte sich das Format durchsetzen, bist du dabei. Sollte es verschwinden, hast du zwei Stunden investiert.

Der unterschätzte Nebeneffekt ist ein anderer: Wer diese Datei schreibt, muss sein eigenes Angebot in wenigen Sätzen ohne Floskeln beschreiben. Erstaunlich viele Unternehmen scheitern an dieser Übung, und das Ergebnis verbessert danach regelmäßig auch die Startseite. Insofern ist der Nutzen zum Teil ein interner.

Wie man sie sinnvoll anlegt

Kurz halten. Wer alle achtzig Unterseiten auflistet, hat den Zweck verfehlt. Zehn bis fünfzehn Einträge reichen, gruppiert nach Themen. Jede Zeile mit einem Satz, der tatsächlich beschreibt was dort steht, nicht mit einem Werbeslogan.

Konkret werden. "Individuelle Websites mit Festpreis, Übergabe aller Zugänge, Umsetzung in sechs bis zehn Wochen" ist brauchbar. "Innovative digitale Lösungen für Ihren Erfolg" ist es nicht, weil es keine Information enthält, die ein System weitergeben könnte.

Aktuell halten. Eine Datei, die Leistungen beschreibt, die es nicht mehr gibt, richtet mehr Schaden an als keine. Am einfachsten koppelt man die Pflege an den Rhythmus, in dem die Seitenstruktur ohnehin überprüft wird.

Wer nicht mit einem leeren Editor anfangen will, kann sich einen Entwurf erzeugen lassen. Unter llmstxt.de läuft ein kostenloser Generator, der eine Website ausliest und daraus eine erste Fassung baut, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke. Der Vollständigkeit halber: Das Werkzeug betreiben wir selbst, es gehört ebenfalls zur medienplus GmbH.

Was es dir abnimmt, ist die Fleißarbeit, also Seiten sammeln und sortieren. Was es dir nicht abnimmt, sind die Beschreibungen. Ein Generator kann nur wiederholen, was in deinen Titeln steht, und genau das ist meistens zu allgemein. Den einen Satz pro Zeile, der tatsächlich etwas aussagt, muss weiterhin ein Mensch schreiben. Sonst steht in deiner Datei am Ende dieselbe Austauschbarkeit, gegen die dieser Text argumentiert.

Was stattdessen wirkt

Wer die zwei Stunden lieber in etwas mit messbarer Wirkung stecken will, gibt es an drei Stellen aus. Erstens: prüfen, ob die eigenen Inhalte für Maschinen überhaupt abrufbar sind, ohne dass Skripte laufen müssen. Zweitens: die wichtigsten Aussagen so umschreiben, dass ein Absatz für sich allein verständlich ist. Drittens: dafür sorgen, dass andere Seiten dich mit demselben Schwerpunkt beschreiben.

Diese drei Punkte wirken nachweislich und unabhängig davon, welches Dateiformat sich am Ende durchsetzt. Die llms.txt ist danach eine Sache von zwanzig Minuten, weil die Zusammenfassung ohnehin schon geschrieben ist.

Unsere Einschätzung

Wir legen die Datei bei allen Projekten an, aber wir stellen sie niemandem als Maßnahme in Rechnung, die für sich Wirkung entfaltet. Sie ist Teil der Grundausstattung wie eine Sitemap, nicht ein Hebel wie gute Inhalte oder Erwähnungen auf fremden Seiten.

Wenn du eine Agentur triffst, die ein Paket rund um diese Datei anbietet, frag nach, welche Systeme sie nachweislich auswerten und wie die Wirkung gemessen wird. Die Antwort auf diese Frage sagt dir mehr über den Anbieter als über die Datei.

Mehr dazu, wie wir das in Projekten umsetzen, steht bei Generative Engine Optimization aus Köln.

Oliver Misch, Geschäftsführer der medienplus GmbH

Oliver Misch

Geschäftsführer der medienplus GmbH

Arbeitet seit über 15 Jahren an Websites, Technik und Sichtbarkeit und schreibt hier über das, was ihm im Alltag mit Kunden begegnet. Bei digital unit in Köln ist er der erste Kontakt für neue Projekte.

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